Studie warnt vor Glücksspielwerbung im Fußball
Glücksspielwerbung ist im Profifußball allgegenwärtig und könnte insbesondere für junge Menschen und andere vulnerable Gruppen Risiken bergen. Zu diesem Ergebnis kommen zwei Studien der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim, die die Präsenz von Sportwettenwerbung während der Fußball-Europameisterschaft 2024 sowie im Bundesliga-Alltag untersucht haben.
Die Forschenden sehen Anzeichen dafür, dass Sportwetten zunehmend als selbstverständlicher Bestandteil des Fußballerlebnisses wahrgenommen werden. Sie fordern deshalb strengere Regelungen für die Sportwerbung sowie einen stärkeren Jugend- und Spielerschutz.
Tausende Werbekontakte bei der EM 2024
Zur ersten Untersuchung analysierte das Forschungsteam elf Spiele der UEFA-Fußball-Europameisterschaft 2024. Dabei registrierten die Wissenschaftler insgesamt 5.914 Hinweise auf Glücksspielwerbung in den TV-Übertragungen.
Dr. Johannes Singer, Studienleiter: „Insgesamt war Glücksspielwerbung während knapp 195 Minuten der untersuchten Sendezeit präsent – das entspricht rund 7,4 Prozent der gesamten Übertragungsdauer oder etwa der Länge einer Halbzeitpause pro Spiel."
Besonders häufig trat Werbung des offiziellen UEFA-Wettpartners Betano in Erscheinung, vor allem in Form von Bandenwerbung und Sponsorenplatzierungen bei Interviews. Parallel dazu beobachteten die Forschenden eine hohe Aktivität von Wettanbietern auf sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram.
Bundesliga-Analyse zeigt hohe Werbedichte
In einer zweiten Studie untersuchte die Forschungsstelle einen kompletten Bundesliga-Spieltag Ende April 2025. Erfasst wurden alle neun Begegnungen des 31. Spieltags einschließlich Vor- und Nachberichterstattung, Werbeunterbrechungen sowie Sportsendungen im Fernsehen.
Dabei zählten die Forschenden 18.708 Werbeinhalte für Glücksspiele. Davon entfielen 15.089 auf die Live-Übertragungen. Über alle Sendungen hinweg war Glücksspielwerbung fast 500 Minuten sichtbar. Rund 72 Prozent der erfassten Inhalte stammten von Sportwettenanbietern, während 84 Prozent der Werbemittel ausschließlich aus Logos bestanden.
Social Media erreicht Millionen Nutzer
Neben den TV-Übertragungen analysierte das Forschungsteam die Social-Media-Aktivitäten der zehn reichweitenstärksten Sportwettenanbieter. An dem untersuchten Spieltag veröffentlichten diese insgesamt 223 Beiträge, darunter 130 bezahlte Anzeigen.
Nach Angaben der Forschenden erreichten die Inhalte mehr als zehn Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Die Zielgruppe bestand überwiegend aus Männern im Alter zwischen 18 und 34 Jahren.
Dr. Steffen Otterbach, Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel: „Diese ‚Gamblifizierung' trägt dazu bei, dass insbesondere Sportwetten zunehmend als normaler Bestandteil des Sporterlebnisses wahrgenommen werden."
Werbung häufig nicht klar erkennbar
Kritisch sehen die Studienautorinnen und -autoren insbesondere die Gestaltung von Inhalten in sozialen Medien. Viele Beiträge seien eng an aktuelle Spielereignisse angelehnt und nutzten Emojis oder aktive Profisportler, wodurch die Grenzen zwischen Unterhaltung und Werbung verschwimmen könnten.
Dr. Steffen Otterbach, Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel: „Gerade Kinder und Jugendliche nehmen solche Inhalte als besonders ansprechend wahr, erkennen sie jedoch oft nicht als Werbung."
Während auf Social-Media-Plattformen Kennzeichnungspflichten gelten, waren Alters- und Warnhinweise in den untersuchten TV-Übertragungen nur selten sichtbar. Nach Angaben der Forschenden lag ihr Anteil jeweils bei unter 4 Prozent.
Forderung nach strengeren Regeln
Die Forschenden warnen, dass die dauerhafte Präsenz von Glücksspielwerbung langfristig Einstellungen und Verhaltensweisen beeinflussen könne. Häufige Werbekontakte könnten positive Einstellungen gegenüber Glücksspielen fördern, unrealistische Gewinnerwartungen erzeugen und die Spielbereitschaft erhöhen.
Dr. Johannes Singer, Studienleiter: „Für Fans verschwimmen die Grenzen zwischen sportlicher Leidenschaft und kommerziellem Wettangebot."
Als mögliche Maßnahmen nennen die Forschenden Einschränkungen von Glücksspielwerbung rund um Live-Übertragungen, verpflichtende Warnhinweise, technische Altersbarrieren sowie strengere Kennzeichnungspflichten für Werbung in sozialen Medien.



